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Ingenieurbüro für Verbrennungsmotoren GmbH

öffentlich bestellter und vereidigter Motorensachverständiger-Dipl. - Ing. (FH) Jörg Schulz

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Inhalt Fallbeispiel
Abgasturboladerschaden durch Fremdkörpereintrag nach Werkstattaufenthalt

Ausgangssituation

Mit einem Anschreiben wurde der Auftraggeber durch die BMWAG aufgefordert, sein Fahrzeug im Rahmen einer Rückrufmaßnahme bei einem autorisierten BMW-Partner vorzuführen. Gegenstand der Rückrufaktion war eine mögliche Undichtigkeit des Abgasrückführungskühlers (AGR-Kühler), die im weiteren Verlauf zu einem erhöhten Brandrisiko führen kann. Im Rahmen der Maßnahme war der Austausch des AGR-Kühlers vorgesehen. Das Fahrzeug wurde bei einer autorisierten BMW-Vertragswerkstatt vorgestellt und dort entsprechend instandgesetzt. Bereits unmittelbar nach Abholung stellte der Auftraggeber einen deutlichen Leistungsverlust des Motors fest.

Eine daraufhin durchgeführte Diagnose in derselben Werkstatt ergab keinen Eintrag im Fehlerspeicher.

Der Unterzeichner wurde mit der Erstellung eines technischen Beweissicherungsgutachtens beauftragt.

Problemstellung

Die ausführende Werkstatt wies eine Verantwortlichkeit für den eingetretenen Schaden zurück und verneinte insbesondere einen kausalen Zusammenhang zwischen den durchgeführten Arbeiten und der beanstandeten Funktionsstörung.
Im Rahmen der Begutachtung waren daher insbesondere folgende Fragen zu klären:

  • Liegt ein technischer Schaden am Motor bzw. an angrenzenden Baugruppen vor?
  • Was ist die konkrete Schadensursache?
  • Besteht ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Werkstattaufenthalt und dem eingetretenen Schaden?
Untersuchung durch den Sachverständigen

Im Rahmen der technischen Untersuchung wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:
• Endoskopische Untersuchung des Abgasturboladers
• Endoskopische Untersuchung der Brennräume  
Schadensbild

Es wurden folgende wesentliche Feststellungen getroffen:

  • Massive Beschädigungen an den Schaufeln des Verdichterrads
  • Auffinden eines metallischen Fremdkörpers (Torx-Schraube) im Bereich vor dem Verdichterrad
  • Metallischer Spanbefund auf den Kolbenböden mehrerer Zylinder

Das vorgefundene Schadensbild ist technisch eindeutig typisch für einen Fremdkörpereintrag in den Ansaugtrakt eines aufgeladenen Motors.

Schadensanalyse und Kausalitätsbewertung

Der Schaden am Abgasturbolader ist kausal auf das Eindringen eines metallischen Fremdkörpers (Torx-Schraube) in den Ansaugtrakt zurückzuführen.

Durch den Eintritt der Schraube in den Bereich des Verdichterrads kam es zu:

  • massiver mechanischer Beschädigung der Verdichterschaufeln,
  • Beschädigung des Verdichtergehäuses,
  • Blockieren der Turboladerwelle,
  • Lösen der Wellenmutter infolge der abrupten mechanischen Überlastung.

In der Folge wurden metallische Partikel in den Ansaugtrakt und in die Brennräume eingetragen, was den festgestellten Spanbefund auf den Kolbenböden erklärt.

Ausschluss alternativer Ursachen

  • Ein innermotorischer Ursprung der Schraube ist technisch  ausgeschlossen, da keine entsprechende Bauteilverwendung im Ansaugtrakt  vorliegt.
  • Ein Verbleib der Schraube aus der Fahrzeugproduktion ist aufgrund der  hohen Laufleistung als praktisch ausgeschlossen zu bewerten.
  • Verschleißbedingte oder betriebsbedingte Ursachen sind mit dem  vorliegenden Schadensbild nicht vereinbar.

Wahrscheinlichkeitsbewertung der Schadensentstehung

Im Zuge des Austauschs des AGR-Kühlers ist ein Ausbau mehrerer Komponenten im Bereich des Ansaug- und Abgastrakts erforderlich.
 
Dabei wird insbesondere der Bereich des Reinluftrohrs geöffnet, wodurch eine direkte Verbindung zum Verdichtereinlass besteht.

Es ist technisch nachvollziehbar und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit festzustellen, dass:

  • eine Torx-Schraube im Zuge der Demontagearbeiten in den geöffneten  Ansaugtrakt gelangt ist,
  • diese Schraube vor Wiederinbetriebnahme des Motors nicht entfernt  wurde,
  • der Schaden unmittelbar nach Wiederinbetriebnahme des Fahrzeugs eintrat.

Die zeitliche Korrelation (Schadenseintritt unmittelbar nach Werkstattaufenthalt) sowie das spezifische Schadensbild begründen einen eindeutigen ursächlichen Zusammenhang zwischen der durchgeführten Reparaturmaßnahme und dem eingetretenen Schaden.
Relevanz für die Praxis

Dieses Fallbeispiel zeigt, dass Schäden an Abgasturboladern nicht ausschließlich auf Verschleiß zurückzuführen sind, sondern häufig durch externe Einwirkungen wie Fremdkörpereintritte verursacht werden.
Insbesondere nach Werkstattaufenthalten ist eine differenzierte technische Analyse erforderlich, um:

  • Montagefehler oder Sorgfaltspflichtverletzungen zu identifizieren,
  • den Schadenseintritt zeitlich einzuordnen,
  • und eine belastbare Kausalitätsbewertung vorzunehmen.
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