Motorschaden durch Ölmangel nach Motorinstandsetzung
Klärung: Instandsetzungsmangel oder technischer Defekt
Ausgangssituation
An dem streitgegenständlichen Dieselmotor eines Traktors wurden nach einem Vorschaden infolge von Verbrennungsstörungen umfangreiche Instandsetzungsarbeiten durchgeführt. Nach einer Betriebsdauer von ca. 200 Stunden trat erneut ein schwerer Motorschaden auf.
Im Mittelpunkt der technischen und rechtlichen Bewertung stand die Frage:
Lag ein Mangel der durchgeführten Instandsetzung vor?
Oder ist der Schaden auf einen nachträglichen technischen Defekt (z. B. Ölverlust) zurückzuführen?
Problemstellung
Die Ursachenzuordnung war entscheidend für die Haftungsfrage:
Instandsetzungsmangel → Verantwortlichkeit der Werkstatt
Technischer Defekt → Verantwortlichkeit des Halters
Ohne eine belastbare technische Kausalitätsanalyse war eine rechtssichere Bewertung nicht möglich.
Untersuchung durch den Sachverständigen
Zur Klärung der Schadenursache wurden folgende Untersuchungen durchgeführt:
Feststellung und Dokumentation des Schadensbildes
Überprüfung der Motorenschmierölpumpe
Analyse des Motorenschmierölkreislaufs
Untersuchung auf äußere Leckagen und Undichtigkeiten
Rekonstruktion des Schadensverlauf
Schadensanalyse
Im
Rahmen der technischen Untersuchung wurden folgende Befunde erhoben:
Keine
feststellbaren äußeren Ölverluste
Motorenschmierölpumpe
ohne Funktionsauffälligkeiten
Ansaugsieb
frei von Verunreinigungen
Deutliche
adhäsive Verschleißerscheinungen an den Triebwerkslagern infolge
Mangelschmierung
Fehlender
O-Ring am Rohrstutzen der Motorenschmierölpumpe
Bewertung
& Kausalität
Aus
sachverständiger Sicht ist festzustellen:
Im
Zuge der vorangegangenen Motorinstandsetzung wurde bei der Montage der
Motorenschmierölpumpe ein erforderlicher O-Ring am Rohrstutzen nicht verbaut.
Durch
die fehlende Abdichtung kam es zu internen Druckverlusten im Schmierölsystem.
Infolgedessen konnte insbesondere unter bestimmten Betriebsbedingungen keine
ausreichende Versorgung der Lagerstellen mit Motorenschmieröl sichergestellt
werden.
Dies
führte ursächlich zu einer Mangelschmierung und in der Folge zu adhäsivem
Verschleiß der Triebwerkslager.
Der
festgestellte Schadensverlauf ist technisch schlüssig und widerspruchsfrei mit
diesem Befund vereinbar.
Ergebnis
Der
eingetretene Motorschaden ist kausal und eindeutig auf einen Mangel im Rahmen
der Motorinstandsetzung zurückzuführen.
Eine
Verantwortlichkeit des Halters aufgrund eines eigenständigen technischen
Defekts konnte ausgeschlossen werden.