Klärung: Stand der Technik oder konstruktiver Mangel
Ausgangssituation
Bei einem gebrauchten Audi A5 Coupé wurde unmittelbar nach der Übergabe ein deutlich erhöhter Verbrauch an Motorenschmieröl festgestellt.
Der Fall wurde vor dem Landgericht Kassel verhandelt.
Zentrale Fragestellungen:
Liegt ein technisch relevanter erhöhter Ölverbrauch vor?
Was ist die konkrete Schadensursache?
Handelt es sich um Verschleiß, Nutzungsbedingungen oder einen konstruktiven Mangel?
Untersuchung durch den Sachverständigen
Zur Klärung wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:
Befundung Ölverlust
Kompressionsdruckmessung
Endoskopische Untersuchung der Brennräume
Probenentnahme Motorenschmieröl
Durchführung einer Ölverbrauchsmessung
Ausbau und Teilzerlegung des Motors
Untersuchung der Kolben und Kolbenringe
Technischer Befund
Es wurde festgestellt:
Die Drainagebohrungen der Ölabstreifringe waren durch Ölkohleablagerungen teilweise verschlossen.
Dadurch konnte das Motoröl nicht mehr ordnungsgemäß von der Zylinderwand abgestreift werden. Infolge dessen gelangte Motoröl in den Brennraum und wurde dort mitverbrannt.
Folge: messbar erhöhter Motorölverbrauch
Die festgestellten Ablagerungen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der konstruktiven Ausführung der Kolben und Ölabstreifringe.
Ausschluss anderer Ursachen:
Kein Hinweis auf außergewöhnlichen Verschleiß
Keine Anhaltspunkte für unsachgemäße Nutzung
Wartungszustand ohne relevanten Einfluss auf das Schadensbild
Die Konstruktion begünstigt die Bildung von Ablagerungen in den Ölringnuten und Drainagebohrungen.
Die zwischenzeitlich durch den Hersteller erfolgte konstruktive Änderung stellt ein Indiz dafür dar, dass die ursprüngliche Ausführung technisch nachteilig war.
Ergebnis
Der erhöhte Motorölverbrauch ist kausal auf einen konstruktiven Mangel im Bereich der Kolben bzw. Ölabstreifringe zurückzuführen.
Ein normaler, dem Stand der Technik entsprechender Betrieb liegt nicht vor.