Ölmangel oder Öldruckmangel – wie entsteht ein Motorschaden?
Fachbeitrag von Dipl.-Ing. (FH)Jörg Schulz – Sachverständiger für Motorenschäden
Wenn die Schmierung des Motors versagt.
Motoren benötigen eine zuverlässige Versorgung mit Schmieröl. Zwischen hoch belasteten und bewegten Bauteilen muss sich unter den jeweiligen Betriebsbedingungen ein ausreichend tragfähiger Schmierfilm bilden.
Wird diese Schmierung unterbrochen oder reicht sie nicht mehr aus, können innerhalb kürzester Zeit erhebliche Schäden entstehen.
Häufig werden dabei zwei Begriffe gleichgesetzt:
Ölmangel und Öldruckmangel.
Technisch handelt es sich jedoch um unterschiedliche Zustände. Ein Motor kann beispielsweise noch eine ausreichende Ölmenge in der Ölwanne enthalten und trotzdem unter einem kritischen Öldruckmangel leiden. Umgekehrt kann ein erheblich zu niedrigem Ölstand vorliegen, ohne dass unmittelbar ein vollständiger Ausfall der Schmierung eintritt. Für die sachverständige Beurteilung eines Motorschadens ist deshalb die Unterscheidung zwischen Ölmenge, Ölversorgung und Öldruck von entscheidender Bedeutung.
1. Welche Aufgaben hat das Motoröl?
Motoröl übernimmt im Verbrennungsmotor mehrere Funktionen. Die wichtigste Aufgabe ist die Schmierung bewegter Bauteile.
Darüber hinaus dient das Öl unter anderem:
• der Wärmeabfuhr,
• der Reinigung,
• dem Schutz vor Korrosion,
• der Aufnahme und dem Transport von Verschleißpartikeln,
• der Abdichtung im Bereich von Kolben und Zylinder,
• der Versorgung hydraulischer Stell- und Spannelemente.
Besonders stark belastet sind beispielsweise:
• Kurbelwellenlager
• Pleuellager
• Nockenwellenlagerungen
• Kolben und Zylinderlaufbahnen
• Turboladerlagerungen
• hydraulische Kettenspanner
• hydraulische Ventilspielausgleicher
• Nockenwellenversteller
Fällt die Schmierstoffversorgung aus, können diese Komponenten erheblich beschädigt werden.
·
2. Was ist Ölmangel?
Von Ölmangel spricht man vereinfacht, wenn sich zu wenig Motoröl im Schmiersystem befindet.
Ursachen können beispielsweise sein:
• Ölverlust durch Undichtigkeiten
• beschädigte Ölwanne
• undichte Dichtungen
• defekte Wellendichtringe
• Ölverlust am Turbolader
• übermäßiger Ölverbrauch
• fehlende oder unzureichende Wartung
• falsche Ölfüllmenge nach einem Ölwechsel
• nicht erkannter schleichender Ölverlust
Auch ein ungewöhnlich hoher Ölverbrauch kann über längere Zeit zu einem kritischen Ölstand führen.
3. Warum ein niedriger Ölstand problematisch ist
Das Motoröl befindet sich bei vielen Motoren überwiegend in der Ölwanne. Von dort wird es durch die Ölpumpe angesaugt und in den Schmierkreislauf gefördert. Sinkt der Ölstand erheblich ab, kann die Ölversorgung unter bestimmten Betriebsbedingungen beeinträchtigt werden.
Das gilt insbesondere bei:
• hohen Drehzahlen
• starker Beschleunigung
• starkem Bremsen
• Kurvenfahrt
• hoher thermischer Belastung
• starken Fahrzeugneigungen
Das Öl kann sich dabei in der Ölwanne verlagern. Die Ansaugstelle der Ölpumpe kann dann zeitweise nicht mehr ausreichend mit Öl bedeckt sein.
4. Ölmangel bedeutet nicht automatisch sofortigen Öldruckmangel
Ein wichtiger Punkt:
Der Ölstand und der Öldruck sind nicht dasselbe.
Ein Motor kann bei einem noch relativ hohen Ölstand einen zu niedrigen Öldruck aufweisen. Umgekehrt kann ein niedriger Ölstand vorliegen, ohne dass während einer bestimmten Messung unmittelbar ein kritischer Öldruck festgestellt wird.
Der Öldruck hängt unter anderem ab von:
• Förderleistung der Ölpumpe
• Motordrehzahl
• Öltemperatur
• Ölviskosität
• Lagerluft
• Zustand der Ölkanäle
• Druckregelung
• Zustand des Ölfilters
• Konstruktion des Schmiersystems
5. Was bedeutet Öldruckmangel?
Der Öldruck beschreibt vereinfacht den Druck, mit dem das Öl im Schmiersystem zur Verfügung steht. Ein zu niedriger Öldruck kann dazu führen, dass bestimmte Schmierstellen nicht mehr ausreichend versorgt werden.
Mögliche Ursachen sind beispielsweise:
• zu niedriger Ölstand
• verschlissene Ölpumpe
• defektes Druckregelventil
• verstopftes Ölsieb
• verstopfte Ölkanäle
• falsche Ölviskosität
• zu große Lagerluft
• beschädigte Bauteile
• innere Ölverluste
• falscher Ölfilter
• technische Probleme im Schmiersystem
Damit wird deutlich:
Öldruckmangel ist nicht zwangsläufig die Folge von Ölmangel.
6. Der Ölkreislauf eines Motors
Vereinfacht betrachtet läuft der Schmierkreislauf folgendermaßen ab:
Ölwanne
↓
Ölansaugung / Ölsieb
↓
Ölpumpe
↓
Ölfilter
↓
Hauptölkanal
↓
Kurbelwellen- und Pleuellager
↓
weitere Schmierstellen
↓
Rücklauf zur Ölwanne
Eine Störung an irgendeiner Stelle dieses Systems kann die Schmierung beeinträchtigen.
Für die Schadensanalyse ist deshalb nicht ausreichend, nur den Ölstand zu kontrollieren.
7. Die Ölpumpe – das Herz des Schmiersystems
Die Ölpumpe muss unter allen relevanten Betriebsbedingungen eine ausreichende Ölmenge fördern. Bei einem Defekt oder Verschleiß der Ölpumpe kann die Förderleistung abnehmen.
Mögliche Folgen:
Förderleistung der Ölpumpe zu gering
↓
Ölversorgung unzureichend
↓
Öldruck fällt ab
↓
Schmierfilm wird instabil
↓
Metallkontakt nimmt zu
↓
Verschleiß und Erwärmung
↓
Bauteilschaden
Bei der Untersuchung eines Motorschadens sollte deshalb auch die Ölpumpe auf ihren technischen Zustand untersucht werden.
8. Das Ölsieb kann eine entscheidende Rolle spielen
Zwischen Ölwanne und Ölpumpe befindet sich häufig ein Ansaugsieb. Es soll verhindern, dass größere Verunreinigungen in die Ölpumpe gelangen.
Wird dieses Sieb beispielsweise durch:
• Ablagerungen,
• Dichtungsmaterial,
• Ölkohle,
• Schlamm oder
• andere Fremdstoffe
teilweise verstopft, kann die Ölversorgung beeinträchtigt werden. Dies kann zu einem erheblichen Abfall der Förderleistung und damit des Öldrucks führen.Bei einem Motorschaden mit Verdacht auf Schmierungsmangel sollte deshalb auch das Ölsieb untersucht werden.
9. Was passiert bei einem Zusammenbruch des Schmierfilms?
Zwischen zwei gegeneinander bewegten metallischen Oberflächen soll das Motoröl den direkten Kontakt möglichst verhindern. Unter geeigneten Bedingungen entsteht ein tragfähiger Schmierfilm. Wird dieser Schmierfilm zu dünn oder reißt er ab, kann es zu direktem Metallkontakt kommen.
Die Folge kann eine sogenannte Mischreibung bzw. bei weiter zunehmender Belastung ein intensiver Materialkontakt sein.
Dabei entstehen:
• erhöhte Reibung
• Wärme
• Materialübertragung
• Abrieb
• Beschädigung der Oberflächen
Dieser Prozess kann sich sehr schnell beschleunigen.
10. Besonders gefährdet: Pleuellager
Pleuellager gehören zu den besonders empfindlichen Bauteilen des Motors.Sie müssen hohe Kräfte aufnehmen und gleichzeitig zuverlässig geschmiert werden.
Bei unzureichender Schmierung können typische Schadensbilder entstehen:
• Laufspuren
• Riefen
• Fressspuren
• Materialübertragungen
• starke thermische Verfärbungen
• Auswaschungen
• teilweise oder vollständige Zerstörung der Lagerschalen
Im weiteren Verlauf kann sich beispielsweise ein Pleuel lösen oder brechen. Dabei können erhebliche Folgeschäden am Motorblock entstehen.
11. Warum kann ein Pleuellagerschaden zum Totalschaden des Motors führen?
Ein möglicher Schadensablauf kann folgendermaßen aussehen:
Ölversorgung gestört
↓
Schmierfilm am Pleuellager wird unzureichend
↓
erhöhter Metallkontakt
↓
Lagerschale verschleißt bzw. frisst
↓
Lagerspiel verändert sich
↓
Öldruck kann weiter abfallen
↓
Lagerschaden schreitet fort
↓
Pleuel oder Kurbelwelle werden beschädigt
↓
möglicherweise Pleuelabriss
↓
Beschädigung des Motorblocks
Der ursprüngliche Schmierungsfehler kann am Ende durch zahlreiche Folgeschäden kaum noch erkennbar sein. Deshalb ist eine systematische Untersuchung besonders wichtig.
12. Öldruckwarnung – eine wichtige Information
Leuchtet während des Motorbetriebs die Öldruckwarnleuchte auf, sollte dies grundsätzlich ernst genommen werden. Die Warnung kann auf einen kritischen Zustand der Ölversorgung hinweisen.
Die Ursache kann beispielsweise sein:
• zu geringer Ölstand
• Problem der Ölpumpe
• verstopfte Ölansaugung
• zu großer innerer Ölverlust
• mechanischer Motorschaden
• Problem mit der Druckregelung
• elektrischer bzw. sensorischer Fehler
Wichtig ist deshalb:
Eine Öldruckwarnung sollte nicht einfach durch Nachfüllen von Öl „gelöst“ werden, ohne die Ursache zu untersuchen.
13. Kann man mit einer Öldruckwarnung weiterfahren?
Bei einer aufleuchtenden Öldruckwarnung sollte der Motor grundsätzlich nicht unnötig weiter betrieben werden.Denn wenn tatsächlich kein ausreichender Öldruck vorhanden ist, kann bereits eine kurze Weiterfahrt zu einer erheblichen Verschärfung des Schadens führen.Aus einem zunächst möglicherweise begrenzten Problem kann dadurch ein umfassender Motorschaden entstehen.Für eine spätere sachverständige Untersuchung kann außerdem relevant sein, wie lange und unter welchen Betriebsbedingungen nach Auftreten der Warnung weitergefahren wurde.
14. Ein niedriger Ölstand kann verschiedene Ursachen haben
Wird bei der Untersuchung eines beschädigten Motors ein zu niedriger Ölstand festgestellt, ist damit die Schadensursache noch nicht automatisch bewiesen.
Es muss vielmehr untersucht werden:
Warum war der Ölstand zu niedrig?
Mögliche Ursachen:
Ölverlust
Das Öl ist beispielsweise durch eine Undichtigkeit aus dem Motor ausgetreten.
Ölverbrauch
Der Motor hat über einen längeren Zeitraum zu viel Öl verbrannt.
Wartungsfehler
Nach einem Ölwechsel wurde zu wenig Öl eingefüllt.
Bedienungsfehler
Der Ölstand wurde trotz Warnzeichen oder entsprechender Vorgaben nicht kontrolliert.
Technischer Defekt
Ein Bauteil verursachte einen ungewöhnlich hohen Ölverlust oder Ölverbrauch. Die Ursache des Ölmangels muss daher gesondert untersucht werden.
15. Ölverlust und Ölverbrauch sind nicht dasselbe
Diese beiden Begriffe werden häufig verwechselt.
Ölverlust
Motoröl tritt aus dem Schmiersystem aus.
Beispiele:
• undichte Ölwanne
• defekte Dichtung
• beschädigter Wellendichtring
• undichte Ölfiltereinheit
Ölverbrauch
Motoröl gelangt in den Verbrennungsraum und wird dort mitverbrannt oder auf anderem Weg verbraucht.Mögliche Ursachen können beispielsweise sein:
• verschlissene Kolbenringe
• verschlissene Zylinderlaufbahnen
• Ventilschaftabdichtungen
• Probleme im Kurbelgehäuseentlüftungssystem
• Turboladerschäden
Für die technische Bewertung ist diese Unterscheidung wichtig.
16. Was passiert bei zu hoher Ölfüllung?
Nicht nur zu wenig Öl kann problematisch sein. Auch eine Überfüllung des Motors mit Motoröl kann zu technischen Problemen führen. Bei bestimmten Motoren kann eine übermäßige Ölfüllung beispielsweise dazu führen, dass bewegte Motorteile stärker mit dem Öl in Kontakt kommen. Dadurch können Aufschäumung bzw. ungünstige Betriebsbedingungen des Schmieröls entstehen. Darüber hinaus können je nach Motorkonstruktion weitere Probleme auftreten.
Auch hier gilt:
Die konkrete Konstruktion des Motors und die tatsächliche Ölmenge sind entscheidend.
17. Falsches Motoröl und Öldruck
Auch die Wahl des Motoröls kann Einfluss auf das Schmierverhalten haben.
Dabei spielen unter anderem:
• Viskosität
• Temperatur
• Alterungszustand
• Additivierung
• Herstellerfreigabe
eine Rolle.
Ein ungeeignetes Öl kann unter bestimmten Bedingungen zu einer Veränderung der Schmier- und Druckverhältnisse führen. Für eine sachverständige Bewertung muss deshalb immer festgestellt werden: Welches Öl war eingefüllt und welche Anforderungen gelten für den Motor?
18. Kann ein verschlissener Motor selbst einen Öldruckmangel verursachen?
Ja.
Dies ist für die Schadensanalyse besonders wichtig. Nehmen wir beispielsweise einen bereits stark verschlissenen Motor an. Durch erhöhte Lagerspiele kann mehr Öl aus den Lagerstellen austreten. Dadurch kann der Öldruck im System sinken.
Es entsteht damit ein möglicher Kreislauf:
Verschleiß
↓
größeres Lagerspiel
↓
erhöhter interner Ölverlust
↓
Öldruck sinkt
↓
Schmierbedingungen verschlechtern sich
↓
Verschleiß nimmt weiter zu
Hier wäre der Öldruckmangel möglicherweise nicht die ursprüngliche Ursache, sondern bereits eine Folge eines vorher vorhandenen Verschleißzustandes.
19. Ursache oder Folge? – Eine entscheidende Frage
Bei der Untersuchung eines Motorschadens muss deshalb zwischen verschiedenen Möglichkeiten unterschieden werden.
Hier wäre der Öldruckmangel möglicherweise bereits eine Folge des Verschleißes.
Möglichkeit 4
Lagerschaden → Metallabrieb → weitere Störung der Ölversorgung → umfassender Motorschaden
Hier kann sich der Schaden selbst weiter verstärken. Diese unterschiedlichen Schadensabläufe müssen anhand der technischen Befunde voneinander unterschieden werden.
20. Welche Befunde sind für den Sachverständigen besonders interessant?
Bei einem vermuteten Schmierungsmangel können unter anderem untersucht werden:
• Ölstand
• Ölzustand
• Ölfilter
• Ölsieb
• Ölpumpe
• Druckregelventil
• Ölkanäle
• Lagerstellen
• Kurbelwelle
• Pleuel
• Kolben
• Zylinderlaufbahnen
• Turbolader
• Öltemperatur
• Fehlerspeicher
• Wartungszustand
Zusätzlich ist die Vorgeschichte von großer Bedeutung.
21. Die Ölwarnleuchte ist kein Beweis für Ölmangel
Ein wichtiger Unterschied:
Eine aufleuchtende Öldruckwarnleuchte bedeutet nicht automatisch:
„Der Ölstand war zu niedrig.“
Die Warnung bezieht sich grundsätzlich auf einen erkannten bzw. gemessenen Zustand des Öldrucksystems – abhängig von der konkreten Fahrzeugkonstruktion.Die Ursache kann an verschiedenen Stellen liegen. Daher sollte zwischen Ölstand und Öldruck klar unterschieden werden.
22. Beispiel aus der sachverständigen Praxis
Ein Fahrzeug kommt nach einem Motorschaden zur Untersuchung. Der Ölstand ist sehr niedrig. Auf den ersten Blick scheint die Ursache eindeutig:
„Der Motor hatte zu wenig Öl.“
Bei genauerer Untersuchung wird jedoch festgestellt, dass eine erhebliche Undichtigkeit an der Ölwanne vorliegt.
Die weitere Untersuchung zeigt, dass die Ölwanne durch einen äußeren Kontakt beschädigt wurde.
Jetzt stellt sich eine weitere Frage:
Wann ist die Beschädigung entstanden?
War sie bereits vor dem Motorschaden vorhanden?
Oder entstand sie erst durch einen späteren mechanischen Defekt?
Diese Unterscheidung kann für die Ursachenbewertung entscheidend sein.
23. Was sollte bei einem Motorschaden dokumentiert werden?
Bei einem Verdacht auf Ölmangel oder Öldruckmangel sollten möglichst frühzeitig folgende Informationen gesichert werden:
• Kilometerstand
• Ölstand
• Ölwarnmeldungen
• Motorgeräusche
• Ölverlust
• Ölverbrauch
• Zeitpunkt des Auftretens der Symptome
• Fehlerspeicher
• Wartungsunterlagen
• verwendetes Motoröl
• Ölwechselintervalle
• Reparaturhistorie
• Fotos des Motors
• Fotos von Ölverluststellen
Besonders wichtig ist die Dokumentation vor der Zerlegung.
24. Warum die Motorzerlegung nicht ohne Dokumentation erfolgen sollte
Bei einem schweren Motorschaden besteht häufig der Wunsch, den Motor möglichst schnell zu zerlegen. Aus sachverständiger Sicht kann dies problematisch sein. Durch die Zerlegung können wichtige Spuren verändert oder beseitigt werden.
Beispielsweise können
• Ölstände
• Montagezustände
• Ablagerungen
• Lage von Bauteilen
• Spuren von Materialübertragung
• Bruchflächen
verändert werden. Bei einem streitigen Schaden sollte deshalb möglichst frühzeitig eine fachgerechte Beweissicherung erfolgen.
25. Welche Fragen sollte ein Sachverständiger beantworten?
Bei einem Motorschaden mit Verdacht auf Ölmangel oder Öldruckmangel können insbesondere folgende Fragen relevant sein:
1. War zum Zeitpunkt des Schadens ausreichend Motoröl vorhanden?
2. Welches Motoröl wurde verwendet?
3. Entsprach das Öl den Herstellervorgaben?
4. Gab es einen Ölverlust?
5. Gab es einen erhöhten Ölverbrauch?
6. War die Ölpumpe funktionsfähig?
7. War das Ölsieb frei?
8. War der Ölfilter ordnungsgemäß?
9. War ein ausreichender Öldruck vorhanden?
10. Welcher Schaden ist zuerst entstanden?
11. Welche Folgeschäden sind entstanden?
12. Ist ein Zusammenhang zwischen Ölmangel bzw. Öldruckmangel und Motorschaden nachweisbar?
13. Welche Alternativursachen kommen infrage?
26. Die technische Wirkungskette muss nachvollziehbar sein
Ein qualifiziertes Gutachten sollte nicht lediglich feststellen:
„Der Motor hatte zu wenig Öl.“
Vielmehr muss die technische Wirkungskette untersucht werden.
Beispielsweise:
Ölverlust
↓
sinkender Ölstand
↓
Beeinträchtigung der Ölversorgung
↓
Öldruckabfall
↓
unzureichende Schmierung
↓
Schmierfilmabriss
↓
Lagerschaden
↓
Folgeschäden
↓
Motorausfall
Nur wenn die einzelnen Schritte durch Befunde nachvollziehbar sind, lässt sich eine belastbare Ursachenzuordnung vornehmen.
Fazit
Ölmangel und Öldruckmangel sind nicht dasselbe – beide können jedoch zu einem schweren Motorschaden führen. Ein zu niedriger Ölstand kann die Ölversorgung beeinträchtigen. Ein Öldruckmangel kann aber auch durch eine defekte Ölpumpe, eine verstopfte Ölansaugung, zu große Lagerluft, eine ungeeignete Ölviskosität oder andere technische Ursachen entstehen. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Ursache und Folge. Ein festgestellter niedriger Ölstand beweist beispielsweise noch nicht, warum das Öl fehlte. Ebenso beweist ein niedriger Öldruck nicht automatisch, dass zuvor Ölmangel vorlag. Bei der sachverständigen Untersuchung muss deshalb der gesamte Schadensablauf betrachtet werden:
Nur eine systematische Untersuchung kann klären, wodurch die Schmierung beeinträchtigt wurde und ob daraus der festgestellte Motorschaden entstanden ist.
Sachverständige Untersuchung von Schmierungsschäden
Bei einem Motorschaden infolge eines vermuteten Ölmangels oder Öldruckmangels ist eine frühzeitige technische Untersuchung besonders wichtig. Insbesondere bei möglichen Haftungs- oder Versicherungsfragen sollte der Zustand des Motors möglichst vor einer Zerlegung dokumentiert und beweissicher erfasst werden.